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Wie ein Sonnenstrahl für uns alle

Die halbe Welt verfällt in Trauer, denn es ist ein Trauertag heute, so heißt es über den Karfreitag. Mich aber stimmt so schnell nichts mehr traurig, denn ich habe einen Textblock entdeckt, der in solchem Maße herzallerliebst ist, dass nichts Negatives dagegen anstürmen kann.

Es ist eine Antwort von einer Rentnerin namens Ursula auf die an sich eher schlichte Frage, welche Musikgruppen für das diesjährige Stadtwerkefest gewünscht werden.

Ursula wünscht sich Nana Mouskouri und wird dabei philanthropisch bis pathetisch: „Musik und Gesang gehen uns tiefer ins Herz als Worte. […] die jüngere Generation gibt uns Kraft und ist wie ein Sonnenstrahl für uns alle. “

Wie einfach mensch dem erfolgreichen Generationendialog eine Hand reichen kann ! Seltsam nur, dass es andersrum nicht geklappt hat, als ich nämlich den Damen im Seniorentreff mehrfach anbot, ihre Wünsche für ein musikalisches Sommerfest weiterzuleiten, hatten die auch bei mehrfacher Nachfrage keinerlei Wunsch.

Vielleicht ist man als körperlich recht fitte 65- bis 85-jährige einfach nicht mehr auf Eventhilfe angewiesen und kauft sich eh jede gewünschte Konzertkarte ?

Die Umfrageergebnisse jedenfalls sind auf Seite 74 in diesem E-Paper mit Fotos zu sehen. Anklicken und auf die Dame in der Mitte zoomen.

Und dieses Lied fiel mir auch wieder ein, wegen der Aussage von Ursula:

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Bahnhofsbilder VI

Dieses Mal sind wir bei H wie Hochsommer und J wie Jena. Es wird wieder viel Warten gezeigt, denn warten müssen Menschen wie Mülltonnen.

Oral history vs. Egodokument: Bad Wimpfen

Das Folgende ist im Grunde auch Teil 2 von „In Memoriam: Zwischen Büchern, Forschern und Alten.“


Aus meinem dezembrigen Organisationstaumel wage ich intuitiv eine Pause vom Voranblicken ins Zurücksehen. Und zwar mit dem Versuch, Unterschiede vom Erzählten zum Aufgeschriebenen aufzuspüren.
Wir starten mit dem

Zeitzeugenbericht:
Bad Wimpfen.. ja, das ist eine touristisch sehr hübsche Stadt. Es muss im August gewesen sein, ich war glücklich, wenn auch leicht wehmütig, weil ich wenige Tage nach dem Stadtbesuch wieder zurück in die dröge Stadt meines Studiums müssen würde, wo mich ein schlecht organisierter, fremdbestimmter Umzug in eine riesige, schlecht geschnittene Plattenbauwohnung erwartete.
Es war also Hochsommer und die Stadt taktisch klug auf einer Anhöhe gelegen, so wie man sich die Burgen vorstellt, nachdem man das Rheingold-Brettspiel gespielt hat: unten ein breiter Fluss, dann Grünland dazwischen und dann ging es steil hoch, dann oben die befestigte Burg. Auf der anderen Flussseite die Bundesstraße. Ich wahrscheinlich in Angst, das kleine Auto könnte die gewaltige Anhöhe nicht bewältigen, was es aber doch tat. Ich hatte Probleme, die richtige Parkplatzausfahrt zu finden, war aber auf dem Parkplatz vom anwesenden Klo entzückt. Dann ging es durch eine Unterführung in die eigentliche Stadt. Das waren Gesamtschulen und der übliche kleinstädtische Kram, aber im Altstadtkern ging einem das Herz auf, alles so putzig kleinsteinig und fachwerklich.
Ich war nirgendwo drinne, weil ich mich nicht traute, obwohl ein, zwei Läden oder Essensgelegenheiten ganz nett aussehen.. Obwohl.. ich bin erst nach der Arbeitszeit hin, deshalb war schon viel zu. Man klappte dort 17 bis 18 Uhr die Bordsteine hoch, ja, jetzt erinnere ich mich.
Lange saß ich am Burgrand, so mit Blick übers Land. Alles so bilderbuchmäßig und friedlich. Weiter drinne im Burghof sprachen mich ältere Leute an, ich sah außerdem welche, die wesentlich touristischer aussahen, als ich. Ich spürte keinen Neid, vielmehr dachte ich: Ha ! ihr habt gesellschaftliche Pflichten und ich nicht !
Auf dem Parkplatz machten mir Halbstarke Angst oder wenigstens dachte ich „oh, lieber nicht in die Nähe gehen, die sind doch auf impulsives Handeln aus..“

da irgendwo saß die Zeitzeugin lange rum

Es folgt das schriftlich Dokumentierte, mal sehen inwieweit es mit der Erinnerung übereinstimmt:

– erstmal Schreck: die Erinnerung hat schon versagt, denn laut damaliger Notizen war ich zweimal in Bad Wimpfen-
4.8.2005:
Sitze nun in Bad Wimpfen, was in der Tat ein nettes Klein-Quedlinburg ist, bin aber zu abgelatscht und abgequatscht (konzentrations-un), um richtig Freude daran zu entwickeln; merke nur ein leichtes Positivgefühl beim Ausblick auf Neckarlandschaft, da es gut ist, mal wo anders zu sein und nur den Himmel über sich zu haben.
[ah ja, jetzt erinner ich mich bildlich: ich saß im Burghof und schrieb das, während ältere Damen tuschelnd vorbeischlenderten. Dann geht der Text weiter mit Beschreibungen der Bibliotheksbenutzer. „zwei neue Benutzer, ein jungenhafter Amsterdamstudent und eine paranoide Ursula“]
11.8.2005:
Mittwoch war ich nochmal zwanglos in Wimpfen, bisschen Pfalznähe und Quedlinburgähneln genießen… Als da auch langsam (+endlich) Ende der fiesen Fröstel-periode (–> Herbstwetter. Jetzt aber hoffentlich wieder mehr Sonne + Wärme, weil will schon noch Luftiges + barfußgenießen bevor Jäckchen, Regen + Wind + Nebel wirklich kommt..)

barfuß wurde sogar fotografiert, die Grünzeugbegeisterung muss wirklich groß gewesen sein

Fürsorge im Dorfe

Da ist Käse

in deinem Nest, mein Spätzchen.

Am besten, du hustest ihn aus.

Und vergiss nicht, den Efeu zu gießen.

eine Sommererinnerung und eine Comicempfehlung

„An Sonntagen immer harmlose, nette, optimistische Unterhaltungsthemen bloggen“ habe ich mir vorgenommen und bereits vor der bewussten Entscheidung dafür seit 6 Wochen oder so betrieben, wie ich im Rückblick gerade feststellte.
Also dann:

Im gerade zurückliegenden Sommer habe ich den Balkon sehr gern genutzt und dort einige Momente großer Zufriedenheit und einige weitere kurzen, ausblenderischen Glückes erlebt. Mit dabei immer eine Graphic Novel oder ein Manga, eine Pulle Bier oder ein Käffchen. Nicht mit im Bewusstsein: der Straßenlärm – endlich. In den Jahren zuvor war mir das Ausblenden selbigens nicht so gut gelungen und ich verließ den Balkon stets genervt nach fünf oder zehn Minuten wieder.

In diesem Jahr also lümmelte ich besonders froh zwischen Fussboden und Stühlen, ließ mir ausserdem noch egal sein, dass der Balkon optisch nichts bietet und fast nie geputzt ist, und freute mich einfach darüber, endlich (nach zu dem Zeitpunkt 15 Monaten Stillzeit plus 9 Monaten Schwangerschaft plus 3 Monate zu kalt-für-den-Balkonaufenthalt-Jahreszeit) in der Sonne liegen, Bierchen trinken und kichern zu können. Oder auch ohne schlechtes Gewissen mir den dritten Kaffee geben zu können. Vielleicht vorher Bohnen zum Mittag gehabt zu haben. (Verzettelung, klar. Aber das fand ich am schlimmsten, mit den Einschränkungen durch Fortpflanzung: auf das Eiweiß aus Hülsenfrüchten verzichten zu müssen, dabei sind die alle soooo lecker!)

Zum Kichern neben Staunen und Nervenkitzel eignete sich z.B. folgender Comic:
Hair Shirt von Patrick McEown.

Ja gut, der Zeichenstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, obwohl der Zeichner bereits seit Anfang der 1990er zugange ist. Wunderhübsche Bilder sind aber wohl auch nicht zum Thema passend, das doch relativ düster ist. Der Protagonist ist ein wenig wehleidig und hat mit einigen traumatisierten Personen zu tun.

Trotz der also düsterfarbigen Panels und der menschenkennerischen Story.. nein, gerade deswegen kann man sich mit dem Buch ganz gut amüsieren. Ich jedenfalls. Es folgen einige Lieblingsstellen:


Grundwasser und Flutwasser

(Das Folgende ist von diesem Artikel inspiriert ..)
Und hat den Charakter einer unkommentierten Edition. Unklarheiten beim Lesen sind deshalb vorprogrammiert. In diesem Fall am besten nachfragen, wie was gemeint ist.


[… 14.8.2002 …]

[…]
Der Himmel sieht so freundlich aus
Und Sonne scheint auf Gärten, Passanten,
Straßen und mich, fast glaube ich, es wär Urlaub.


Nur in Wirklichkeit ist Hochwasser :
Ein Ereignis, das ich dieser Stadt
nie zugetraut hätte..
[…]

[… 28.8.2002 …]

[…]
bringt mir der Blick aufs Wasser
die Gefühle zurück.


In meinem jederzeit-liebsten-Viertel
meiner jederzeit-liebsten Stadt
hängt breit und dumpf Verwesungsgeruch.

Schweigt, ihr Menschen.

Wie Verderbnis liegt
eine dreckig-ölige Schicht
auf Gärten und allem irgendwie..
Scheußliches Wasser steht bar jeder Idylle
hinterm Haus.

Fremde Menschen pumpen es ab.

Wir, die es uns angeht,
fahren zurück
in das Heidedorfidyll mit Alltag oder
ignorieren die Evakuierung der Reststadt
und staunen, aus dem Fenster blickend,
über einen Freund, der mit einem Mädchen rumfährt.

Reiseoptimismus, zusammenfassend und zurückblickend

Ob in den Bergen oder an der See,
das Wetter, das ist überall.
Der geneigte Urlauber ist angehalten,
stets das Beste daraus zu machen.

Humor ist nützlich in jeder Lebenslage !

Ist es Sonntag und es regnet,
ist der Schirm abwesend und auch die Kapuze ?

Nicht verzagen, kreativ werden..

Ist es Sommer und obszöne Metallfiguren kreuzen den Weg ?
Sind die Begleiter charmant oder sind sie genervt ?
Ist doch alles schnuppe, solange man selbst sich sagt:
Verreisen ist immer ein Anlass, absurd zu agieren !

Charmante Begleiter und Sonne im Gebirge.

Genervte Begleiter und Regen an der See.