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Apokalypsegeschichten

Nur noch wenige Stunden, dann geht es los, du musst da hin, Flucht ist nicht möglich, es wird furchtbar und… ohgottogott. Sinnvolle Taten sind nicht mehr – mit diesem Kopfmatsch, warum kann das nicht schon vorbei sein und überhaupt: aaaahhh. Ahhhhh !
/ Das gehört zum Leben dazu. Je nach Persönlichkeit häufiger oder seltener. Während man als Jugendlicher noch heulkrampft oder wirr wegrennt, weiß man als Erwachsener (oftmals), dass man nicht jede Panikschleife voll mitmachen muss, weil sie einfach nichts nützt und nur eine neurologische Fehlstellung ist. Aber da ist sie trotzdem immer mal wieder.
Und hier ein Tipp mit zwei Produkthinweisen!
Während fröhliche Geschichtchen oft zu oberflächlich und damit nicht mehr fesselnd daher kommen, helfen handwerklich gute Erzählungen mit dichter Atmosphäre, die thematisch irgendwie etwas mit Apokalypse zu tun haben.
Schon damals im Krankenhaus, Ärztinnen und Angehörige schoben Panik, beruhigte mich stundenlanges Nintendo DS daddeln mit einem kriegerischen Post-Apokalyse-Szenario. Man steckt irgendwie drin und man muss nachdenken und die Apokalypse und der ständige nahende Tod sind sowieso furchtbarer als die Wohlstandsproblemchen, wegen der das reale Hirn gerade Panik schiebt.
/ In der sozial herausfordernden Adventszeit nun habe ich erneut ein Spiel entdeckt, dessen Protagonisten nach dem großen Knall agieren müssen. Es ist aber keine Rundenstrategie, sondern von der Mechanik her eigentlich eine Dating-Sim, eine Art Abenteuerspielebuch, nur ohne doofes Würfelpech. (Abenteuerspielebuch: die analoge Variante, eklige Zeiten abzuwarten. Funktionierte gut in den 90ern.)
Das Spiel heißt: Aloners. Und man kann es für lau runterladen. Freeware. Indieszene. Es kommt also zusätzlich noch Freude darüber auf, dass die Welt vielleicht doch nicht schlecht, grau und gleichgeschaltet ist. Das Spiel ist verdammt spannend und schon auch beklemmend. Als ängstlicher Mensch landet man am Ende in einer sehr uncoolen Situation. Es dauert allerdings sehr lange bis zum Ende, zumal für ein unkommerzielles Spiel. Große Achtung vor so viel Disziplin der Autorin und Herausgeberin.
Ich bin mit meinem eigenen Buch nicht so diszipliniert, obwohl es auch sehr düster ist. Bis eben fragte ich mich, ob das dann nicht zu gekünstelt und gewollt wirkt, wenn immer alles düster ist, aber dann [=Überleitung zum letzten Produkthinweis) las ich „Vakuum“ und sah: Nicht nur lese ich gern durchgängig Schlimmes, auch wird diese Graphic Novel von Fachmenschen gelobt. Und es ist alles dabei, was auch in meinem Manuskript ist: Amoklauf, Suizid, Vergewaltigung, die große Langeweile.
Also: Kaufen oder in der örtlichen Bibliothek ausleihen: Vakuum von Lukas Jüliger.

Status quo

Das mit den Haaren habe ich verbockt. Das macht mich einigermaßen unglücklich. Das Mitleid habe ich nicht verdient. Das wollte ich nur mal sagen, falls sich nach vier Tagen doch mal jemand fragt. Das sieht ja auch blöd aus sonst, unaktuelle Startseite und so.

Das aktuelle Strategiespiel ist sehr schwierig, denn es geht um die Zukunft der realen Welt. Das Durchprobieren von zehn verschiedenen Strategien hat die Erderwärmung nicht gestoppt, es wird sich bekriegt und verhungert. Das sieht alles ziemlich schwarz aus.

Das Schwarz muss aber nicht schlecht sein, man kann das Phosphorizierende darin besser sehen.

Der NovemberNerd sagt: Ja !

Das rundenbasierte Strategiespiel "Imperialismus" hatte mich schon vor zehn Jahren über alle Maßen begeistert. Es ist ursprünglich von 1997. Und jetzt endlich bin ich im CD-Besitz !

Zwischengedanke (wegen Watte im Kopf)

Steige durch deine Wolken –

Da ist die Weite,

Sie sagt: leere deine Leere

Denk nicht nichts,

denk auch nicht nicht

Sei wieder fühlend, denke in Wolken.

Dann kommen auch die Kobolde

alleine zu dir.

Freitagsfüller, mein zweiter

Woanders ist man schon bei Teil 3, ich mache das Ausfüllen zum zweiten Mal, und zwar sind vorgebene Satzteile fett.

1. Kürbisse finde ich nur in Suppen lecker.

2. Aufregende Tage liegen vor mir.

3. Als ich 10 Jahre alt war, war einiges los. Ich kann mich nicht für einen Einzelaspekt entscheiden.

4. Da ich nicht auf dem Tisch sitze, ist niemand „ neben mir auf dem Tisch.“

5. Wenn ich leben könnte wo ich wollte, wäre ich in Dresden-Neustadt oder Wittenberg.

6. Lieber September, ich würde es sinnhafter finden, wenn du wieder Scheiding hießest.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich lieber auf nichts mehr, morgen habe ich einiges für den Schillerplatz geplant und Sonntag möchte ich einen Kuchen backen!

Intermezzo : Versuche mit Redewendungen und Mantras

In meinen Tagen der immensen Motivationsprobleme habe ich mir so einige Phrasen und Mantren (Mantras?) ins Hirn gerufen,

es fing an mit :

Dem Müttermantra : „Es ist nur eine Phase. *tieflufthol* Nur eine Phase …“

Das schien mir einigermaßen tröstlich und ist auch von anderen Elternteilen erprobt.

Nicht so hilfreich waren meist die Tipps meines Ex-Gefährten (die ich mir dennoch versuchsweise ins Hirn rief):

„Disziplin ! Mithras lebt nur in den stolzen Herzen !“ (auch nett gemeint, aber Selbstermahnung klappt bei mir nur eingeschränkt.)

Sehr schön fanden wir – schon ein, zwei Tage später – die Karte vom Herrn Teddy, der uns aus dem Urlaub ein Enzensberger-Zitat schickte:

„Eine Reise ist der Versuch, den in die Ferne projizierten Wunschtraum der Romantik leibhaftig zu verwirklichen.“

Man kann Wortkonstrukte wie Porzellan behandeln und bespiegeln. Muss man aber nicht.

Schlussendlich rief ich heute meine Mutter an. Ja, ich rief an, freiwillig ! Es lohnte sich, denn sie erzählte , wie elend es dem einzigen Menschen gerade ginge, den ich jemals über einen längeren Zeitraum verachtet habe. Mein Interesse an dem Fall war nicht geheuchelt und dass ich kein Mitleid heuchelte, schien ihr nicht aufzufallen. Ich bin nicht wirklich schadenfroh, aber irgendwas daran befriedigt mich und macht mir Hoffnungen.

Für meine Mutter ist der Fall jedoch grundnegativ und sie baute, angeblich, um mich zu erbauen (aber wahrscheinlich eher für sich selbst), die Redewendung ein: „Unter jedem Dach ein Ach.“

Die war mir neu und gefällt.

Letztendlich finde ich aber die Herangehensweise dieser Joy Division – inspirierten Band am tröstlichsten:

– > auch von tragischer Ausgangsbasis (s. Liedtext) her Tanzen gehen (metaphorisch nur)

он будет один терпеть унижения
он до сих пор ждет удара в лицо
но боль стала сладкой как круг стал колесом
ноги в воде руки крестом
там вдалеке мерцают огни
и каждое движение – еще один шаг в сон
как же я был слаб в те дни /
каскады воды вниз по камням
смотри твои пальцы мокры от слёз
и красная роза во рту постоянно цветёт
ноги в огне руки крестом
над головой пылающий нимб
и каждое движение – еще один шаг в сон
как же я был слаб в те дни

Kotzen, Resignieren, den Optimismus suchen

– das habe ich heute schon alles hinter mir. Ich schreibe mal davon, um innerlich ein wenig ruhiger zu werden und ja, auch um vielleicht einige mitleidige Worte zu erhaschen.

Im Moment bin ich bei dem Schluss, dass die Misere meine Schuld sei, weil ich quasi im Strategiespiel des Lebens versagt habe. Könnte ja sein, schliesslich kacke ich auch beim spielerischen Taktieren regelmäßig ab. Und spiele dennoch irgendwann immer weiter.

Ich wollte ja mit der ganzen Familie ein verlängertes Wochenende in Neubrandenburg verbringen. Dann würden wir uns nicht zu Hause auf die Ketten gehen und die befreundete Familie, die es nach Mecklenburg verschlagen hat, würde sich auch freuen. Das war so mein Plan.

Den hatte ich auch detailliert ausgearbeitet, mit Ferienwohnung buchen (und der Vermieterin in mehreren Mails klarmachen, wie wir die Betten brauchen etc.), Zugkarten buchen, Busplan von NB ausdrucken, Haltestellen eruieren.. alle Pferde scheu machen also.

Dass ich mich nun in einer Situation parallel zu jener befinde, kam ungefähr so:

Bereits beim Warten auf den Bus war mir schon recht übel, ich schob das auf Nervosität und Anspannung. Im Bus knabberte ich an einer Birne und schaffte es, nicht im Bus zu reihern. Bei der Ankunft am Bahnhof sagte ich mir allerdings: „lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, es sind ja noch acht Minuten bis zur Zugabfahrt..“ und spie beherzt ins Gebüsch, in der Hoffnung, dass ich mich danach wieder besser fühlte.

Meine bisherigen männlichen Mitbewohner vertraten jeweils die These, dass der Kotzvorgang so unangenehm sei, dass es sich lohne stattdessen diszipliniert zu bleiben und sich das auf jeden Fall zu verkneifen. Mit dem Resultat, dass jenen stets dreimal so lange krank zu mute war, wie mir.

So stieg ich also, ermutigt vom eigenen Mut, in den Zug gen Berlin Hbf ein und saß da bis kurz vor Wannsee, dann musste ich einsehen, dass der Optimismus („ich war nur nervös, wenn die Reise erst richtig im Gange ist, dann legt sich das Unwohlsein wieder“) unberechtigt war.

Wie ich vom Zugklo wiederkam, vernahm ich zudem ein Stimmchen neben mir: „mir ist viel zu warm. und mein bauch tut weh“ – daraufhin setzte die vollkommene Resignation bei mir ein.

In Charlottenburg stiegen wir dann aus und gingen auf den Zurückzu-Bahnsteig. Dort spie meine Tochter einen großen Batzen und  ich fühlte mich bestätigt in der Annahme, dass ich die Neubrandenburgreise jetzt vergessen könne.

Nachdem das heute also schon die zweite Aufgabe des NB-Besuchsvorhabens war, sage ich mir, dass es wohl nicht sein soll und möglicherweise irgendeine Göttlichkeit mich lediglich vor Schlimmerem bewahren wollte, indem sie uns die Übelkeit schickte. Okay, das ist seeehr optimistisch, aber wie soll ich sonst werten, dass – zu Hause angekommen – auch noch die andere Tochter kurz spuckte, dann aber niemand bei mir im Bettchen bleiben wollte, sondern stattdessen Vitalität demonstriert wurde ?

(nur ich traue mich noch nicht ganz an Essen und Kaffee heran.)