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Eskapismus mit Eugen Gottlob

Seit drei Tagen die Nase voll von Realität, was aber nicht schlimm, sondern vorübergehend ist. Flucht ins Vergangene, sehnsuchtsschwulstbeladene. Dabei Hilfe von den analysierten Schriften eines Eugen Gottlob Winkler bekommen. Wobei. Bekommen ist zu passiv, die Schriften sind ja nicht auf mich zugekommen, ich habe mir das Büchlein antiquarisch bestellt, darin ein Walter Jens den Winkler analysiert und zitiert*. Fischer Verlag 1960. Laminiert und übersäuert, also stofflich keine Wohltat.

Aber der Text und das was ich reindeute, sind stimmig. Zum Ende meiner Eskapismustage hin möchte ich deshalb versuchen, passende Fotos zu finden.

Der Winkler selbst wird ja als tragische Figur gehandelt.

[Er] kannte die Lage jener Gedanken-Wüste sehr gut, deren Schrecken er so wenig leugnet wie […] ihr geheimstes Mysterium, die Begegnung zwischen der Einsamkeit des Verfolgten und der großen Stille eines Nietzscheschen MIttags… hier halte aus, bete das Unbegreifliche nicht an, lerne den Sprung zu vermeiden und die Gnade des Nichts zu ertragen ! [S.11]

Nicht durch das Rätsel des Daseins, sofern es nicht deutbar ist, wird [die Schwermut] erweckt. Das Geheimnisvolle macht unruhig, rastlos und sehnsüchtig. Ein Unglück erregt im Gläubigen wie im Ungläubigen einen genau lokalisierbaren Schmerz. Der Schwermütige aber und sein Leiden stehen außerhalb eines als Macht und Wille empfundenen Schicksals. Er lebt in einem Reich zwischen Nichtsein und Sein, in einem Schattenbereich, zu wenig für ihn, um noch in ungebrochenem Sein zu verweilen, aber wirklich genug, um das Dasein als eine nun nicht mehr hinweisliche, sondern in Sublimatzustand übergegangene Last zu empfinden.


Aber die Beschäftigung mit E.G.Winkler kann auch Hoffnung machen, wenn mensch möchte:

Sei nie voreingenommen […], stelle ‚Erfahrung‘ höher höher als ‚Bildung‘ […], suche die Wucht des dich treffenden Schlags durch keine Reminiszenz an bereits ‚Gewußtes‘ zu schwächen, dann aber wage den Salto, repliziere mit äußerster logischer Schärfe und konfrontiere das Vage der Impressionen, deren Anprall dich bedroht, mit der Ordnung des Artifiziellen – nur so wird es dir gelingen, die Unmittelbarkeit des Gefühls ein zweites Mal, synthetisch gezüchtet, wieder erstehen zu lassen: das Leben wird Stil, das Chaotische verbirgt sich unter dem Schleiermuster der Kunst.

*:“Eugen Gottlob Winker. Aus den Schriften eines Frühvollendeten / Ausgewählt und eingeleitet von Walter Jens: Fischer Bücherei, 1960″

Buchempfehlung zum Kennenlernen der ACT

Die Acceptance und Commitment Therapie (ACT) kann niemanden vor der Welt schützen, sie kann aber verdeutlichen, dass Arm in Arm mit dem Schrecken auch Freude und Liebe möglich sind. Die Angst soll einfach aufhören, Leben einzuschränken. Obwohl man ein ängstlicher Mensch ist, kann man handeln und farbenfroh leben –
das möchte ein sehr motivierendes Buch von Kelly Wilson und Troy DuFrene dem interessierten Laien vermitteln. Es trägt den bildhaften Titel „Und wenn alles ganz furchtbar schiefgeht? / Lernen, mit Ängsten umzugehen“ und ist im Junfermann-Verlag erschienen.

Ausgehend von der These, dass zusammen mit Furcht, Angst und Panik auch Spannung, Zufriedenheit und Vergnügen verschwinden würden, wird angestrebt, Ängste nicht wegzutherapieren, sondern zu akzeptieren – schließlich will kaum jemand ein farbloses und flaches Leben führen. Vielmehr ist es ratsam, alle Aspekte des Lebens anzuerkennen und zu bejahen, also auch Furcht und Leid zuzulassen.
Weiterhin animiert das Buch den Leser, sich der Aspekte, die ihm wichtig im Leben sind (sogenannte Werte), gewahr zu werden und diese zu artikulieren. Den Weg zu diesen Selbsterkenntnissen gestalten die Autoren angenehm unesoterisch, selbst Atemtechniken und Meditationen werden weitestgehend nüchtern vorgestellt.
Wilson und DuFrene gehen bei ihren Ratschlägen und Ausführungen undogmatisch vor und plädieren für eine Betrachtung der jeweils konkreten Situation. Entsprechend wenden sie sich auch gegen starre Kategorien und Diagnosen.

Die Angst und ihre Kameraden zu akzeptieren bedeutet nicht, sie in jedwedem Fall für angebracht zu halten, aber es bedeutet zu verstehen, dass sie einen evolutionären Nutzen hatte, der jedoch in der heutigen Zeit mitunter nicht mehr gegeben ist. Es handelt sich also bei der Angst um eine Nebenwirkung elementarer menschlicher Eigenschaften wie der Abneigung gegen uneindeutige Situationen oder der Angewohnheit, in Ermangelung ‚echter‘ Probleme neue zu kreieren. Manche Furchtreaktionen sind durchaus angebracht, wie z.B. instinktives Handzurückziehen bei Berührung heißer Gegenstände – die Kunst besteht in der Unterscheidungsfähigkeit und man kann sie erlernen.
Eine solche „Flexibilität des Denkens“ umzusetzen ist eines der Ziele der ACT.

Die ACT zielt also darauf ab, eine psychische Beweglichkeit zu entwickeln, die einer körperlichen Gelenkigkeit gleicht; Gedanken über das, was sein könnte, nicht wörtlich sondern leicht zu nehmen.
Durch die Lektüre ermutigt, die eigene Angst kennenzulernen, wird man freundlicher und gelassener gegenüber sich selbst und anderen. Das Buch verleitet zudem, ein Leben voll sogenannter „Achtsamkeit“ zu führen, in welchem man langsamer agiert und mehr Kleinigkeiten beachtet.
Bei alldem werden keine einfachen Ratschläge erteilt oder Techniken eingeübt, es gibt aber durchaus „Spiele“, die Übungen zum Veranschaulichen unterbewusster Prozesse sind.
Weiterführende Literaturtipps und eine Bibliographie runden dieses gelungene und empfehlenswerte Buch ab.
(ich habe es via ‚Blogg dein Buch‘ erhalten)

Donny hat ein neues Auto und fährt etwas zu schnell

„Heinrich hat auf den Boden geschissen, und es klebt Schokolade an der Decke.“ (S.83)
– las ich, an der Haltestelle entnervt sitzend. Ein provokativer Satz, der sofort ins Buch zog – und vom realen Leben ablenkte. Es ist also ein beruhigendes Buch, das mit den Kurzgeschichten von Arne Nielsen. Nebenbei bemerkt ist es auch das Buch, das dem Egon den Tag versüßt hatte.

Nun ist „Donny hat ein neues Auto …“auch ein recht dünnes Buch, das maßvoll gelesen werden möchte, und nicht an einem Abend auf der Couch durchgaloppiert werden will. Vielmehr eignet es sich perfekt für den Rucksack und den Einsatz im urbanen Dickicht. Zwischen den Sätzen kann man dann aufschauen und abzählen, welcher der Umgebenden einen Knall hat. Nach manchen Statistiken hat ja jeder dritte Mitteleuropäer ein psychisches Problem. Bei der Lektüre  von „Donny …“ findet man nur solche Typen – und zum Teil auch „tickende Zeitbomben“, wie es so schön heißt.

Der Herr Nielsen hat, laut Kurzbiografie auf dem Einband, in diversen Berufen gearbeitet, z.B. als Friedhofswärter und Tankwart, da nimmt es nicht Wunder, dass er sich in die schrägeren Gestalten, die zwischen oder neben uns leben, einfühlen kann. Herr Nielsen ist gebürtiger Däne und manche Rezensenten sehen darin den Grund für seine lakonische Sprache, für die eher knappen saloppen Sätze.

Mir kam, ganz kurz vor der Egon-Idee, der Gedanke, dass es sich stilistisch um eine Mischung aus Helge Schneider – Krimis und Thomas Bernhardt – Erzählungen handele. Und bei dem Gedanken musste ich lächeln, während die Frau neben mir telefonisch ihrer Zwangsneurose frönte.

„Der Tag hat also wunderbar angefangen, weswegen ich auch gegenüber Heinrich geduldig und großzügig auftreten kann. “ (S.84)

2011 entdeckte Alben

.. sind nicht zwangsläufig Alben, die erst 2011 erschienen sind.
Aber es sind in meinem Fall :

  1. Amesoeurs- Amesoeurs
  2. Dover – devil came to me
  3. Dinner auf Uranos – 50 Sommer – 50 Winter

Also ist nicht ein 2011-erschienenes Ding dabei. Das liegt *grübel*…
wahrscheinlich daran, dass ich 2005-2010 mich kaum getraute, in der Wohnung laut Musik anzumachen und von daher einen Nachholbedarf hatte und habe.
Punkt 1 und 2 kamen ja schon mehrfach in diesem Blog vor.
Punkt 3 ist ziemlich entspannende, abendliche Musik, wie ich finde:

Dressupgames als Aufputschmittel

Aus der Reihe „was tun bei leicht trüben Launen, wenn keine Zeit für jene ist“ :

Quietschbunte Flashgames en masse nutzen. Dabei je nach Tageszeit Kaffee oder Glühwein trinken und das schlechte Gewissen so richtig anstauen lassen.

Just wenn das Getränk kickt, also so nach 30 bis 45 min. ,  sollte im Hirn eines lethargischen aber konsumkritischen Menschen die Botschaft entstanden sein: „Was machst du hier bloß für oberflächlichen Mitläuferscheiß ?!“ und diesen Impuls gilt es sofort in sinnvolle, aufgeschobene Tätigkeiten zu investieren. Eine halbe Stunde für Amtsbriefe, finanzielle Transaktionen oder Putzaktionen sollte dann möglich sein – und die daraus entstehenden Erfolge können wiederum dem Selbstwertgefühl und späterer, weiterer Aktionslust dienen.

Für ein heftiges Gefühl des Sich-gehen-lassens, Unerwachsen-seins und Konsumgeil-seins empfehle ich die folgende Seite, ein Verzeichnis von Spielen, in denen man Klamotten, Accessoires, Hintergründe und Körperteile mit flotter Beliebigkeit austauscht und sich an den entstehenden Kombinationen erfreut :

www.dressupgames.com

Dazu kann man seine eigene Musik hören, aber alberner wirkt alles, wenn man sich auch auf die Gamemucke einlässt.


Hier mal, nicht ohne einen Anflug von Stolz, meine letzten Kreationen:
(die URL habe ich oben im Screenshot drangelassen, damit man das jeweilige Spiel wiederfinden kann, somit handelt es sich auch um Anspieltipps)

wenn ich noch mal Abiturientin sein könnte, ...

.. würde ich nachts die Kleinstadt rocken.

Man kann sogar ganze Familien zusammenbasteln.

Aufbauende Musikvideos

Aus der Reihe „was tun bei leicht trüben Launen, wenn keine Zeit für jene ist“ :

Videos mit Musik gucken, die nach vorne prescht, dem eigenen Geschmack entspricht und in denen zufriedene bis völlig grinsende Leute zu sehen sind.

Zwei Beispiele, die bei mir funktionieren:

(für Nennungen, was bei anderen Geschmäckern funktioniert, bin ich offen. Es kann ja nicht schaden, sich eine Sammlung anzulegen. Ach, diese moderne Medienwelt, waaahnsinnige Möglichkeiten..)

Ein Spinnennetz als Aspiecheck

Kürzlich habe ich einen interessanten Test gemacht, bei dem man ziemlich viele Fragen mit „weiß nich“, „manchmal“, „niemals“ oder „ständig“ beantwortet und danach so ein Spinnennetzbildchen präsentiert bekommt.

Ich finde, das sieht sehr ausgeglichen aus und auch wenn darüber stand, ich hätte wahrscheinlich ein Asperger-Syndrom (mit 124 pathologischen zu 82 normalen Punkten), so glaube ich das nicht, weil nämlich ein tatsächliches Aspie-Netz so aussehen würde, wie auf dieser Blogseite ganz unten.
Außerdem kenne ich jemanden, der mir viel autistischer vorkommt, so mit verpeilt-gegen-Dinge-laufen und wochenlang allein über dem Spezialgebiet brüten. Und großen Problemen, zu erkennen, was das Gegenüber will.
Nichtsdesto ist der Test ein nachdenklich stimmender Zeitvertreib mit zum Teil suggestiven Fragen. Mitunter erinnert er einen auch an Angewohnheiten, die man selbstverständlich findet, aber die es doch nicht sind, weil die meisten Leute sie nicht betreiben.

Das kleine Blaue versus das kleine Rosa

Wir hatten schon lange keine Buchbesprechung oder -diskussion mehr hier. (der Comic zählt nicht, hier sind reine Textbücher gemeint) Die letzten paar Bücher, die in dieser Pinte erwähnt wurden, habe ich dann doch nicht gelesen, weil sie mir nicht genügend Anreize boten.

Dann aber entdeckte ich gleich zwei Büchlein, die mir seichte bis thrashige Unterhaltung versprachen: eines mit rosa Außengestaltung und eines mit blauer. Die würden mich vor einer eventuell nahenden Herbstdepression beschützen, hatte ich spekuliert.

In der Tat ist es den beiden griffigen Taschenbüchern gelungen, mir so einige Emotionen abzuringen, was ja das Keyfeature erfolgreicher Medien heutzutage sein soll: dem abgestumpften Wohlstandsbürger Regungen abzuluchsen.

Allerdings waren es etwas andere Regungen als beim Erst-Buchkontakt erwartet.

Von dem Buch mit dem verlagsseitig passgenau gemachten Titel „Unanständig“ hatte ich mir erwartet, einige Stunden in hedonistischem Voyeurismus schwelgen zu können und einer sexy Sympathieträgerin durch spannende Episoden voller süffisanter Szenen und schwelgerischer Vorahnungen folgen zu können. Aufgrund des Coverbildes, dass eine puppenhaft geschminkte Blondine im Federbett zeigt, kamen mir zwar Zweifel, aber die wurden vom Editionsnamen „Anais“ abgefedert.

Von dem Buch mit dem ebenfalls provokanten Titel „Ich darf das, ich bin Jude“ hatte ich mir platten Humor und einen enervierenden Realitäts- und  Jetztbezug erwartet. War das nicht auch mal ein Bestseller, ein Feuilletonsliebling und so ?

Darüber hinaus sprach mich auch dieses Cover optisch nicht an.
Dieses Blau ist auch so überaus kumpelhaft.

Jetzt könnte man glauben, ich hätte mir den autobiographischen Spaßroman des Fernsehkomikers von einem Kumpel ausgeliehen und die autobiografische Fickschnulze  der Radioschnepfe aus der Bibliothek.

Das Gegenteil ist der Fall. Aber, um eine Brücke zu schlagen, das vorletzte rosa Buch, dass mir besagter Kumpel mit bester Empfehlung ausborgte, war tatsächlich ein kluges und gutes und es war von dem Verlag (KiWi), in dem nun der jüdische Olli mit einem blauen erschien.

Noch Fragen ? Sollte ich mich lieber aufregen oder freuen ? (= Rosa-Buch oder blaues ?)

Dies und der ganze… (Mai 2003)

Dies, und der ganze Rest.
Dies, und was gegangen ist.
Dies, und was fahren wird.
Alles, und der ganze Rest :

Ist es wert, dass man es bemerkt.
Ist ein Wert, der in uns fährt.
Ist es wert, zu Grunde zu gehen ?

Werden doch nach vorne sehen.



Welcome to the N.H.K.: gekürt zum Manga meines Jahres

Diese Serie zu loben, nehme ich mir seit Monaten vor.

Entsprechend ist der nun folgende Eindruck nicht der erste, den ich gehabt habe.

Ein Mädchen, das mittels Helfersyndrom die eigene Unzulänglichkeit vor sich verbergen möchte. Eine junge Frau, die in die Fänge eines Schneeballgeschäftssystemes geraten ist. Ein junger Mann, der einen alten Lehrer pflegt, um an sein Erbe zu kommen. MMORPG-Süchtige.
Menschen, die sich online verabredet haben, um sich offline zusammen umzubringen.
— ihnen allen begegnet der Hauptcharakter, wenn er sich mitunter traut, seine kleine Wohnung zu verlassen. Er wächst mit den Begegnungen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die meisten Menschen einen kleinen Knacks haben – Obwohl es zu Beginn der Erzählung so aussehen sollte, als ob der (Anti-)Held der Einzige wäre, dem geholfen werden muss und kann.

Der Held ist der ohne Brille.

Wahnwitz und Überdrehtheit kommen in Bild und Wort vor, das bringt Spaß und Unterhaltung, ja. Dennoch ist die Erzählung nah dran an der Moderne und anders als alle Mangas, die ich bislang in der Hand hatte. Zwar sind die Begegnungen so schicksalhaft-plötzlich-zufällig, wie in den meisten Fiktionen, dafür ist kaum eine Handlung vorhersehbar und die Erzählung folgt keinem starren Schema, wie es mir sonst öfter sauer aufstößt.

Das echte Leben folgt ja auch keinem Strophe-Refrain-Strophe-Schema.

Der Held will ein Erotikgame entwerfen, scheitert aber durch Verzettelung.


Lügen, Eifersucht und Tablettenmissbrauch kommen auch vor. Ein Sammelsurium individualistischer Entfremdungsprobleme bzw. grundsätzlicher menschlicher Tragiken eben ^^

achso, um Bewusstseinserweiterungen geht es auch.


… oookay, die Buchstory ist nicht ganz so verzettelt, wie mein Berichtversuch hier. Hoffentlich gibt es ein glückliches Ende in Band 6 bis 8, die muss ich mir nämlich noch besorgen °-°

p.s.: Fakten und Infos:
Autor : Tatsuhiko Takimoto ; Illustrator : Yoshitoshi ABe
Erstpublikation : Januar 2002 ; auf deutsch erschienen 2009 bis 2010