Posts Tagged ‘ Tod ’

Denken, Fliegen und die Dinge mit B

.. das sind zwei Bücher, eines sachlich-humorvoll, eines belletristisch-lakonisch. Beide recht grandios, deshalb besprech ich die demnächst. Besprechen mit positiven Wörtchen oder großen Sätzen, mal sehen.

Und die andere B-Sache war noch gar nicht zu Ende, nämlich die Bahnhofsache. Deshalb auch das auf den „Plan für die nahen Artikel“.

Dass diese Bahnfotoreihe bisher nicht beendet wurde, kann daran liegen, dass mein Lieblingssinnspruch seit über 10 Jahren ist: „Wer denkt, wird nie fliegen.“
Das mit dem Spruch fiel mir beim Lesen dieses Artikels über Sprüche wieder ein..  Der Spruch wird Anatole France zugeschrieben, dennoch drängt mich nichts, einen Roman von ihm zu lesen. Man sagt, seine Figuren wirkten für moderne Leser zu psychologisch flach.

Na jedenfalls bin ich erstmal mit Dialogen durch und stattdessen um Flughaftigkeit bemüht.

Heute heftig mit dem Dienstfahrrad durch Matschwege gerödelt, wie um den Reden einer 83-jährigen zu entfliehen, die dezent Memento mori-s versprühten.

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die Hinterbliebenen

Die Hinterbliebenen sind die Nachtragenden.

– eine Sammlung von Dingen, die irgendwie zum Thema „Hadern mit dem familiären Nachlass“ passen. Fast jeder hat doch irgendwas zum Hadern, nicht wahr ? Da braucht man sich gar nichts drauf einbilden. Und ausserdem:

Melancholia rächt die Hinterbliebenen

Das ist (für mich) die passende Musik:

Was hilft ? :

abwarten und Blumen trinken

Angst überdenken

Wenn du fürchtest, dass Gevatter Tod dir im Nacken sitzt…

… dann vergiss nicht, …

das Schild ist aus dem unbedingt empfehlenswerten Spiel „World of Goo“.

Heidegger als Vorspiel (Anfang eines Pia-Kapitels)

Einmal schlief Pia bei einem Philosophiestudenten, da lag ein Heideggerbuch auf dem schwarzen Satinkopfkissen. „Sein und Zeit“ oder so ähnlich hieß es. Vielleicht auch: „Sein und Werden“- Pia war sich da nicht so sicher, auf jeden Fall ging es darin um Themen, die sie für ziemlich unerotisch hielt, weshalb sie sich wunderte, was sie damit anfangen sollte, während der Student im Bad war.

Aufgeklappt war Seite 427, auf der (nach Pias Interpretation) das Sterben beruhigend dargestellt war. Großspurige Substantive buhlten im Inhaltsverzeichnis um Pias Gunst, aber sie war entschlossen, sich nicht die genüssliche Laune von Prosa über Sinn und Wahrhaftigkeit zerstören zu lassen.

„Wem solche Bücher über seine Hyperintelligenz hinweghelfen, der soll sie gern lesen“, meinte Pia im Grundsatz und war nun gespannt, was so Herren mit bestechender Denkklarheit im Bett taugen.

Ob sie zu Komplimenten neigen ? Ob der Herr Philosophiestudent zum Beispiel sagen würde: „Ich mag dich nicht nur, weil du so eine weiche M*** hast, sondern auch für deine Lockerheit im Denken, die den Umgang mit dir recht angenehm macht ?“

Kann jemand einen dienlichen Hinweis geben, wie die Geschichte weitergehen könnte ? So in Stichpunkten oder rau formulierten Sätzen, egal..

In Memoriam : meine lebensfroh gewesene Schulfreundin

[ Ein pathetischer Nachruf. Vornamen nicht geändert, weil mir das unangebracht scheint. Es wird ja niemand beleidigt.

Hat jemand Ähnliches erlebt oder einen Verarbeitungstipp ? ]

Liebe Ulli,

fünf Jahre ist es jetzt her, dass ich einen unerwarteten Anruf aus meiner alten Heimat erhielt. Unsere gemeinsame Freundin D. (mit der du mich überhaupt erst bekannt gemacht hattest, danke dafür) fragte mich, wann ich dich das letzte Mal gesehen hätte. Ich antwortete, dass ich dich vor Monaten mal fast in Halle getroffen hätte, du aber an jenem Abend dann doch lieber zu deinem damaligen Geliebten gegangen wärst. Bei der Gelegenheit hätte ich das letzte Mal mit dir telefoniert.

„Wieso“, fragte ich D., „ist die Ulli jetzt nicht mehr ?“ –

daraufhin erzählte mir D. deine Krankengeschichte, die mit einem gutartigen Tumor im Kopf begann und mit einem Fall aus dem fünften Stock einer Magdeburger Klinik endete. Ich erinnerte mich, wie du bereits in unserem letzten gemeinsamen Schuljahr über Hörprobleme und unerklärliche Kopfschmerzen klagtest.

Nach dem Telefonat legte ich mich aufs Bett und starrte erinnerungsvoll vor mich hin. Dein Freitod durchbrach mein Muster von “ aus erster Hand beschriebenen Selbstmorden“, da es sich bis dahin stets um Mütter gehandelt hatte, oder um deren Mütter, sowas wird ja quasi vererbt.

Ich hatte nichts zu tun, war schon seit Wochen im Mutterschutz (nicht wirklich, als Studentin hat man den ja gar nicht offiziell) und wartete aufs Gebären. Das war auch der Grund, warum ich zu deiner Beerdigung nicht gefahren bin, wofür ich mir bis heute in den Ars** beiße.

Denn durch meine Abwesenheit bei deiner Trauerfeier blieb dein Tod ein abstrakter und bis vor einem halben Jahr erschienst du regelmäßig in meinen nächtlichen Träumen, um mir kurz zu erklären, du hättest den Suizid nur vorgetäuscht und wärst nun wieder da, um Abenteuer mit mir zu erleben.

Hätte mir nur jemand gesagt, dass Geburtswehen in den meisten Fällen erst dann einsetzen, wenn die Mutter in spe innerlich und äußerlich ausgeruht ist, oder überhaupt, dass die Geburt erst 8 Tage nach deiner Beisetzung stattfinden würde…

Ich hatte mir erhofft und ausgemalt, näher dran Wohnende und fittere Gutbekannte würden zur Trauerfeier gehen, aber niemand war gegangen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Vermutlich habe ich ein größeres Interesse an so Abschnittsfeiern als andere.

Von Holzwesen bedroht

Im Leben muss mensch sich gegen viele Holzwesen behaupten.

Manche bedrohen einen amöbenhaft:


Andere aggregieren in bekannten Formen, um den Mensch zu erschrecken:


Allen gemein ist, dass sie einen zu Kleinholz verarbeiten wollen, um die Menschen zu assimilieren.

Schläft dann auch noch die Beschützerin, so gibt es keine Rettung.
Schade.

In Memoriam : zwischen Büchern, Forschern und Alten. Teil 1

Ein alter Mann bewohnte ein Zimmer in einem Schloss, in einem Städtchen am Neckar. Daneben hatte auch eine über 70-jährige ihr (Privat-)Zimmer, der Rest des Schlosses unterteilte sich in Pflegeheim, Altenheim und Bibliothek.

Eines Abends kehrte ich vom Waldspaziergang zurück, da sah ich Licht im Zimmer des Mannes. Ich sah ihn am Fenster sitzen, ein Glas Rotwein und ein Buch vor sich. Er schien allein und der Rest des Hauses war dunkel. Eine seltsame Zufriedenheitsathmosphäre strahlte auf mich herab, ich war mit einem Mal mit der Welt im Reinen.

Wenn es diesem Mann gelungen war, auch im Alter noch seinen Interessen zu huldigen (Architektur, bildende Kunst) und auch ohne nahe Familie ausgeglichen, zufrieden zu wirken, dann würde das mir doch vielleicht auch gelingen, es gäbe nichts zu fürchten. Den Gedanken an die Insassen des Pflegeheims schob ich weit von mir, war ich doch nur einmal da durchgelaufen, auf dem Weg zum Zimmer der 70+Dame.

Sie hatte eingeladen, um mir Magnetpflaster zu schenken, die bei ihr, der Dame, hervorragend gegen diverse Wehwehchen geholfen hatten. Durch Akupressur und Magnetströme würde sich gesundheitlich was bewegen, war ihr Glaube. Im Rückblick halte ich die Pflaster zwar für Placebos, aber die Gespräche mit der älteren Dame haben mir bezüglich „Horizonterweiterung „und „genügsam werden“ geholfen.

Sie berichtete von Lagern in Russland und zähneverlierenden Freundinnen, von Unterdrückung im kommunistischen Rumänien … Ich konnte da nicht viel entgegnen, fand ihren Optimismus und alles überwältigend. In der Bibliothek hatte ich in den Pausen bereits zuvor in einigen Erinnerungsaufsätzen gelesen, seitdem stelle ich mir in unregelmäßigen Abständen Menschen vor, die gezwungen werden, in Wannen voller Eis zu stehen, bis die Füße schwarz werden und der Tod eintritt. Da sollte es um Bestrafung für das Ändern eines Bettlaken in ein Unterhemd gehen, wenn ich mich recht erinnere.