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Wie ein Sonnenstrahl für uns alle

Die halbe Welt verfällt in Trauer, denn es ist ein Trauertag heute, so heißt es über den Karfreitag. Mich aber stimmt so schnell nichts mehr traurig, denn ich habe einen Textblock entdeckt, der in solchem Maße herzallerliebst ist, dass nichts Negatives dagegen anstürmen kann.

Es ist eine Antwort von einer Rentnerin namens Ursula auf die an sich eher schlichte Frage, welche Musikgruppen für das diesjährige Stadtwerkefest gewünscht werden.

Ursula wünscht sich Nana Mouskouri und wird dabei philanthropisch bis pathetisch: „Musik und Gesang gehen uns tiefer ins Herz als Worte. […] die jüngere Generation gibt uns Kraft und ist wie ein Sonnenstrahl für uns alle. “

Wie einfach mensch dem erfolgreichen Generationendialog eine Hand reichen kann ! Seltsam nur, dass es andersrum nicht geklappt hat, als ich nämlich den Damen im Seniorentreff mehrfach anbot, ihre Wünsche für ein musikalisches Sommerfest weiterzuleiten, hatten die auch bei mehrfacher Nachfrage keinerlei Wunsch.

Vielleicht ist man als körperlich recht fitte 65- bis 85-jährige einfach nicht mehr auf Eventhilfe angewiesen und kauft sich eh jede gewünschte Konzertkarte ?

Die Umfrageergebnisse jedenfalls sind auf Seite 74 in diesem E-Paper mit Fotos zu sehen. Anklicken und auf die Dame in der Mitte zoomen.

Und dieses Lied fiel mir auch wieder ein, wegen der Aussage von Ursula:

Studentensmalltalk (mit Zweifeln)

Frau Huhn sagt, dass doch jede/r zwischendurch mal an seinem/ihrem Studium zweifelte. Sie zum Beispiel fragte sich oft, ob sie denn wirklich Musik hatte studieren müssen, denn die hätte sie ja auch unstudiert nebenbei machen können.
Zudem wären die universitären Proberäume ohne Fenster und man müsse in der stickigen Luft der vorherigen Nutzer rummusizieren, das ginge ja gar nicht. (Ach, Frau Huhn, du sagtest auch mal, dröger Filterkaffee ginge gaaar nicht, dein Magen rebelliere da. Wer haben jetzt ein Espressomaschinchen.)
Ich erzähle, wie mir in einem fensterlosen Archivmagazin das Wachbleiben schwer fiel, weil ich dort tagelang Fischereikonzessionen von 1800-nochwas sortierte. Dass es solche und solche Archivstudenten gibt, manche seien so langweilig, dass es nicht Wunder nähme, dass sie mit 30 noch Jungfrauen sind, andere hätten mächtige Arme vom Rudern bekommen.
Diese Aussage tut mir im Nachhinein leid, denn sie ist ganz schön gehässig. Was spannend und was langweilig ist, ist doch nicht objektiv festgelegt.

Vielleicht kann ich dem rumhaltigen Cocktail die Schuld geben, vielleicht war ich nur heftig an sozialem Anschluss interessiert, jedenfalls faselte ich ziemlich viel unqualifiziertes Zeug. Aber das gehört dazu, wenn man aus der „lieber gar nichts sagen“-Nummer raus will, nicht wahr ?

Gefräßige Gedanken zu Filmen

Aufschrauben
Wiener Würstchen im Glas
dann der Fleischgeruch
Würste im Film dereinst
Würste in Vaginas

im Gedanken
und den Ekel im Hirn

Ohne Hirn:
Zombies im Punkerfilm,
Hackfressen und Ami-Chöre
den Saal verlassen: zu fröhlich die Musik

Und die Würste und Vaginas und Hackfressen
aus dem Hirn streichen, umdenken, vergessen:
ein Lied aus einem guten Moment an
und das ins Hirn rufen:
die Pantherin mit schlechtem Rotwein und Überraschung
alles plötzlich gut und vor ihr tanzende Gutmenschen
aller Horror weit weg

Literaturwettbewerbe

In Wettbewerbsstimmung durch eine Liste mit Literaturwettbewerben gesehen, lange Liste, ganz viel schon vorbei – aber auch kuriose Ausschreibungen, die noch aktuell sind. Manche Preise sind auch irgendwie nicht wert, dass man sich fünf A4-seitenlang hinsetzt. Für ein Brettspiel und eine E-Bookveröffentlichung oder ein Vorlesen in einer Spelunke. Na, vielleicht bin ich auch zu skeptisch.
– Aber witzige Themen zum Teil. „Brieftauben“. „Du und deine Lampe“.
Mir fällt zu alldem nur noch ein Satz ein:

Deine Lampe
schrumpft auf Brieftaubenformat
dann knipst du sie an
und sie sagt „Krah!“.


Wer sich einen Wettbewerb aussuchen mag und/oder viel Zeit hat:
die Liste


Auch schön:
„Karierte Maiglöckchen“
– zu gewinnen gibt es eine „originelle Buchstütze“

Sylvester unter Tieren

Vielen Dank für die guten Wünsche, ich hoffe ihr hattet alle putzige Gäste. Meinerseits schwofte ich ich lässig mit guten Geistern und komischen Tieren.

Das Polster war voller Geschirr, die kleinen Gäste wurden erwartet:

Mit Porzellan und Glas trank man fröhlich:

Ein Prosit den Dackeln ! (drei im Hintergrund)

Bis dann eine Tischbombe finstere Gesellen in die Bude brachte:

Fliegerasse gelandet..

– das warf einige gute Geister um:

Wer hat den besseren Schutzhut auf ?

und auch unter den Menschlingen brach helle Aufregung aus:

Und am Ende schworen sich alle, das Finstere mit dem Komischen zu vermengen und ein Jahr voller Optimismus und Skeptizismus zu begehen, ein jeder nach seiner Facon.

eine Neujahrshoffnung gefunden.

Gestern noch sprach ich: „Zu Sylvester zieh ich mich mal richtig zu !“ und sah mich gickern und schnickern, heute schon verwarnt mich mein Körper mit einem Vorweg-Kater, einem Migränemaunzer.
Deshalb habe ich den Neujahrsspaziergang auch schon heute erledigt und meine Lust auf langes Wachbleiben und laute Musik und bunte Deko und Geknaller und Schnäpperken tendiert gegen Null.
Im Netz stand (gmx oder so), Forscher hätten herausgefunden, dass dunkle Alkoholgetränke katerverursachender seien. – so bleibt mir noch die Option, mich hoffnungsvoll an helle Getränke (Birnenschnaps, Pils, …äh..) zu halten.
Na, mal sehen.
Bei dem Spaziergang, jedenfalls, kam ich am Aushang der Wohnungsgenossenschaft vorbei und entdeckte die Wohnung unter der meinigen ausgeschrieben. Der kleine Heuler ist also weg.
Wer sich wohl für das Wohnungsangebot interessieren wird ? Und wen die Genossenschaft auswählen wird .. ? Hach, spannend.

62qm; 2,5 Zimmer; Balkon; Spitzen-Infrastruktur; 446 Euro warm – das ist doch wohl verlockend, besonders für hiesige Verhältnisse.
Hoffentlich zieht ein fetziges Pärchen aus dem Künstlerprekariat ein, oder eine WG mit freischaffenden, schlecht verdienenden Akademikern. So eine Hausbekanntschaft von null zu beginnen bietet schließlich optimistische Chancen !

Geschenke: Dezembersteigerung

eine MItte-Dezember-Geburtstags-Verpackung, die mir nüchtern gelungen ist

mein nutzlosestes Geschenk, das aber entschuldigt ist.

zu wenig Lebkuchenkram geschenkt bekommen !

... dafür aber insgesamt eine mittelgroße Kiste voller Schoki und Gummitiere


Quantität statt Qualität auch dieses Jahr. 3 Tassen, 1 Trüffelhäufchen, 3 Schnapsflaschen nicht mit auf dem Bild.


ich kann auch mysteriös verpacken, unnüchtern quasi.

und das: nach zwei erhitzten Holzmicheln ausm Tetrapak

Ute, Alice und Basteln, Wahnsinn

Da mein Kopf ja dezembervoll ist, habe ich keine Muse zu planvoll-gewähltem Schreiben. Das Folgende fällt darum wohl unter „assoziatives Schreiben“.
Vorhin habe ich über Ute und Alice nachgedacht und mich gefragt, ob man denn zugleich wahnsinnig sein könne und akkurat basteln können könnte.
Der Wahnsinn ist ja nicht zwangsläufig negativ konnotiert. Der „fröhliche Verrückte“ ist schließlich ein beliebtes und gemochtes Theatermotiv. Auch diese alltäglichen Verrückten taugen klasse zum Smalltalken.

Aber ist es denn möglich, im versponnenen Zustand Tulpengirlanden auszuschneiden oder ein Fenster in einen Bogen Papier zu drechseln ? Und beides dann sinnvoll zusammenzuführen ?

Ute hatte das gemacht und ich glaube, sie spinnt gar nicht. Dabei steht hinten an ihrem Auto:

CLOWNS   – wobei das O eine rote Nase war.

Wie die so auf Knopfdruck komisch sein wollen, das mag ich an Clowns nicht. Das ist doch Komik, die nur bei Leuten funktioniert, die sich keine Hintergedanken machen. Die den festen Entschluss haben, sich genau jetzt, wenn die Rotnase reinkommt, zu amüsieren.

Ich bin ja mehr für Situationskomik. Trotzdem will ich am Samstag die Alice besuchen. Ihre Flyer waren schon überall da, wo ich meine vom Lebendigen Adventskalender ablegen wollte. Ich war noch bei keinem einzigen Türchen, wie erbärmlich, aber der Weg ist so weit und der Wind heult so grell..

Die Kindergeburtstagssaison beginnt

Meine Tochter hat zwei beste Freundinnen und eine kleine Schwester.

Alle vier haben im Dezember Geburtstag.

Dezember – das ist doch dieser Monat, in dem Nikolaus, Adventskalender, Jul, Sylvester und tagelang in Potsdam weilende Ex-Kommilitonen am Start sind..

Wo adventssonntägliche Theater und lebkuchenschwangere Feiern stattfinden, wo diese leuchtend-kommerziell-engen, aber manchmal trotzdem schönen Märkte aller Orten sind..

Wo ich mich bemüßigt fühle, die Wohnung zu dekorieren, Plätzchen zu backen, festliche Gerichte auszuprobieren und….

eigentlich gar keine Zeit, Nerven, Hirnkapazitäten für Kindergeburtstage übrig habe !


Aber es nützt ja nix, wer alles erleben will, muss auch alles irgendwie verkraften können !
Darum : Listen machen, dann von Tag zu Tag und Liste zu Liste leben.

  • Grund geschaffen, freudig aufs neue Jahr anzustoßen – erledigt
  • raffiniert Geburtstag der Jüngeren mit Markt und Adventskalender zusammengelegt – erledigt
  • Saal für Feier der Älteren angemietet – erledigt
  • beschlossen, ein Blech Muffins und eins mit Plätzchen zu backen für den älteren Geburtstag
  • Ex-Kommilitonen eingeladen für Sylvester – erledigt
  • Zugtickets für Striezelmarktreise gebucht – aahhh, das Bloggen lohnt schon, erst jetzt bemerke ich, dass vielleicht Zimmerbuchen auch langsam höchste Eisenbahn wird

Es gibt ja Leute, die jede Woche drei Veranstaltungen ..äh… veranstalten und/oder zu drei kulturellen Highlights gehen. Solche werden mein „Problem“ wohl nur müde belächeln, „Anfängernervosität“ sagen.
Ich aber erinnere mich mit Schaudern an manche Tage des letzten Dezembers, so z.B. den zwischen Weihnachten und Sylvester stattfindenden Geburtstag der einen Freundin. Dort ertrug ich etwa eine Stunde Kindertechno, Mega-Geschrei und Gerenne, ein ständig an mir klebendes und zerrendes Kleinkind, diverse unbekannte Kindseltern und Barbietorten — dann sah ich blinkende Lichtchen, bemerkte diverse Stechen im Brustbereich und floh, Kleinkind unterm Arm, ins andere Stockwerk.
Dieses Jahr will jene Freundin im Indoorspielplatz feiern, wo also noch circa 50 fremde Kinder Schreien, Springen und Heulen.

Aber davor kann ich mich vielleicht drücken, denn ich *hust* habe ja dann Besuch in der Wohnung.
Nicht drücken kann ich mich freilich vor dem Geburtstag der eigenen Tochter. Darum noch:

  • Einladungen gestalten und ausgeben
  • entscheiden, ob Bierbänke oder Klappstühle
  • über Getränke nachdenken
  • Spiele überlegen und Materialien beschaffen
  • sich fragen, ob schlichtes weißes Geschirr legitim ist
  • mich fragen, ob ich lieber Konversation mit fremden, teils mexikanischen Elternteilen führen will oder halbfremde Kinder zu Spielen anstacheln will, dabei irgendwie über den Punkt „ich will das alles nicht, ich stell den Kram auf und verschwinde, aaaahhh“ hinauskommen

Um nicht missverstanden zu werden: ich will das alles (na, fast alles) und sehe es nicht als genuine Belästigung an – und die drumherum-Hektik führt auch hoffentlich dazu, dass mir die eigentlichen Weihnachtsfeiertage als grandiose Verschnaufpause erscheinen.

Ein Eindruck nach dem Zirkus

„Wir leben in einer sehr modernen Welt, jeder kann sich mit Büchern, Internet und Fernsehen informieren.“, hatte die Zirkusmoderatorin gesagt. „Aber die echten Erfahrungen, die sind doch sehr viel mehr wert als trockene Fakten – deshalb verpassen Sie nicht die Chance, großen Tieren mal ganz nah zu kommen. Sie können alle anfassen und streicheln, außer natürlich die Tiger.“
Die ganze Vorführung über streute sie ab und an Reden ein, die die hohen Eintrittspreise rechtfertigen („wir sind nicht subventioniert, wie in anderen Ländern, wir müssen in jeder Stadt satte Vorleistungen erbringen“), die die Panik vor einem Verbot von Wildtierauftritten widerspiegelten („unsere Tiere sind von so und so viel Experten überwacht“) und überhaupt gegen die Ahnung ankämpfen sollten, dass es sich um eine überkommene Institution handelt, die in dieser Form schon bald aussterben wird, so wie die Völkerschauen des letzten Jahrhunderts.


Als Kind fand ich Zirkusaufführungen großartig, damals langweilten mich allenfalls die langen Nummern stets ähnlicher Artisten. Damals hatten die Pferde noch Püschel auf dem Kopf und die Elefanten so bunte Decken auf dem Rücken. Es wurde noch nicht so krampfhaft versucht, Zusatzeinnahmen zu generieren.


Dieses Jahr starrten die Kinder sich neidisch auf Zuckerwatte, Popcorn, Gummibärchen und Lichtschwerter, die Konzentration hielt bei vielen nicht bis zum Ende der Vorstellung – vielfach wurde geklettert, gesungen und mit Schwertern und Zuckerwattestäbchen gefuchtelt.
Im Vorfeld sagte ich noch in einem Smalltalk über die aktuelle Diskussion in der Politik: „Ach, das ist doch ein Randproblem. Wer hat schon ein Nashorn in einem Zirkus. Habe das noch nie gesehen, kommt doch nicht mehr vor, kann sich eh keiner leisten.“
Und dann erschien kurz nach den Tigern (deren Knurren und Gepeitschtwerden mir falsch vorkam) ein Nilpferd. Dann ein Nashorn. Ungeschmückt gingen sie im Kreis umher und stiegen für einen Apfel auf einen Hocker.

Lohnt das den Transport dieser Tiere ? Das Blenden mit den Scheinwerfern ? Ist das denn sinnvoll vom Kosten-Nutzen-Aspekt her ?

Würdet ihr nicht auch auf dem Basar der Erfahrungen „einmal ein Nilpferd angefasst haben“ tauschen wollen gegen:
einen achtfachen Orgasmus ? einen Drogenrausch ohne Nachwirkungen ? eine natürliche, mäßig schmerzhafte Geburt ? einen Kampfrausch ?